Neue Erkenntnisse bei Schlafstörungen

01.03.2016
„Sandmännchen“-Hormon entdeckt
Endlich besser schlafen

Ein winziger Eiweißbaustein mit der Bezeichnung Glycin ist der Kippschalter vom Wachzustand in den Schlaf – dies haben US-Wissenschaftler herausgefunden. „Diese Aminosäure fehlt Menschen, die schlecht ein oder durchschlafen können“, erklärt Professor Steven M. Paul von der Universität von Kalifornien in Los Angeles. „Glycin blockiert Reizübertragungen im Nervensystem. Probleme, mentaler Stress dringen somit nicht ins Gehirn vor. Unsere kleine Zirbeldrüse kann ungestört ihr Schlafhormon Melatonin synthetisieren.“

Elf Millionen Menschen leiden in Deutschland zeitweise oder ständig unter Schlafproblemen, 20 Millionen Packungen Schlafmittel werden jährlich verkauft. „Nachts nicht schlafen zu können ist die Hölle“, sagt Professor Eckhart Rüther (Universität Göttingen), Deutschlands Schlafexperte Nummer 1. Forscher um Dr. Volker Eulenburg am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main haben die Wirkungsweise von Glycin als neue „Schlafdroge“ untersucht: „Transportmoleküle, die wir als GLyT1 und GLyT2 bezeichnen, bauen gegen Abend viel Glycin als natürlichen Puffer in den Spalt zwischen Neuronen ein. Das Eiweiß wirkt dann nachts wie ein Schutzkissen gegen lästige Einflüsse, wie Geräusche oder Gedanken an Pflichten des folgenden Tages.“ Interessant: Gylcin ist die am höchsten konzentrierte Aminosäure in unserem Rückenmark. Wir spüren es ja abends im Bett selbst: Wohltuende Ruhe und Schlafbereitschaft entwickeln sich stets aus einem entspannten Rücken.

Der größte Feind des Sandmännchens sind verengte Gefäße, die den Blutdruck ansteigen lassen, ähnlich einem zusammengepressten Gartenschlauch, durch den zu viel Wasser gepumpt wird. Deshalb gilt: unbedingt alle Gefäß verengenden Faktoren meiden, wie Nikotin, Kaffee oder eine zu salzreiche Kost. Das Natriumchlorid im Kochsalz bindet zusätzlich Wasser. Dadurch steigen Blutvolumen und Blutdruck weiter an – Ursache dafür, dass viele Menschen nach einer salzreichen Abendmahlzeit nur schwer einschlafen können. Süß essen hingegen hilft: Milchreis, ein Obstpfannkuchen, eine Banane in Honigmilch verquirlt, oder auch ganz einfach nur ein Marmeladenbrot. Die darin enthaltene schnell lösliche Glukose stimuliert den Ausstoß von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Dadurch erweitern sich Arterien, der Blutdruck sinkt geringfügig ab – und das Sandmännchen tritt ein.

Buchtipp: Dr. med. Irmgard Niestroj: „Süßer Schlaf“, 192 S., viele farbige Abb.,
19,90, Klaus Oberbeil Verlag

Textquelle: www.sanorell.de